Bronze(+), Silber(+) und Gold

Die Anmeldung und Verlosung der Startplätze für den SWS2026 sind in vollem Gang und es fehlt immer noch ein Bericht zur letztjährigen epischen Fahrt. Höchste Zeit, das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen.

(Ergänzungen der Bronze und Silberfahrer dürfen, ja müssen, von diesen hier eingefügt werden.)

Sommer, August 2025

Die Aussicht auf gute Verpflegung und die unzähligen Kalorien in Form verschiedenster Kuchen hat die Aspona Radsportabteilung erneut ins Münstertal gelockt. Die Teilnahme von letztem Jahr war noch in guter Erinnerung. Und so konnten weitere Loire-Gloire Fahrer von einer erstmaligen Teilnahme überzeugt werden. Frank und Gregor sind dieses Jahr die SWS Novizen und wagen sich mit Bronze an diese Herausforderung. Und hier sei es nochmal gesagt: Selbst die Bronzevariante bringt beachtliche ~3000hm auf die Strecke.

Anreise und Übernachtung am Vortag haben sich bei den letzten Veranstaltungen bewährt. Und auch hier hörte es sich auf dem Papier zunächst gut an, Quartier auf dem Hartplatz hinter der Belchenhalle in Camper und Bus zu beziehen. Zumal Fred und der Captain sich so früh wie nie auf die Strecke begeben werden. Gold und möglicherweise Gold. 5uhr30 Start!

Doch kleingeistige Fußballproleten des ansässigen Vereins, SpVgg Untermünstertal, hatten andere Pläne, als den Pedaleuren ihre Nachtruhe zu gönnen. Die Vereinshütte lag nur wenige Meter vom Hartplatz (Zelt- und Camperplatz) entfernt: Lautes Ballermann-Liedgut und Gegröle bis weit nach 3Uhr. Randale in der Belchenhalle inklusive, wie man später lesen könnte.
Der Wecker klingelt, gefühlt kurz nachdem die Partymusik verstummte. Tatsächlich waren es bescheidene 1h-1h30 Schlaf. Optimal ist anders. Dazu grüßt der Mond noch hoch am Himmel. Bilder die eines solchen Unterfangens würdig sind. Natürlich ist der König auch schon wach und unterstützt moralisch seine Untertanen.

Kurz vor 5Uhr, ein schnelles Frühstück mit Kaffee in der Belchenhalle. Kurzes Gespräch mit einem Pärchen, dass sich früh als Helfer hatte einteilen lassen. Da konnte der Captain natürlich von seinen Erfahrungen berichten.
Aber nun keine Zeit verlieren. Ein wenig Nervosität und Respekt machen sich breit. Letzter Klogang. Göffel nicht vergessen. Wasserflaschen füllen. Powerbank. Stempelkarte. Sonnencreme! Technik bereit machen… Zum Glück sind die Loire-Gloire-Randonneure durch vorherige Marathons bestens darin geübt.

Und kurze Zeit später bewegt sich die Starterschlange inklusive Fred und Captain Richtung Startlinie und der 1. Stempel des Tages wird kurz nach 5uhr30 ins Fahrtenbuch gedrückt. Zuspruch und gute Laune inklusive. Also los, auf geht´s. YOLO und so jung kommen wir nicht mehr zusammen.
Nach der Startlinie werden nicht viel Zeit und Meter vergeudet und wir sind im ersten Anstieg zum Kreuzweg. Noch im Dunkeln und mit Lampen am Rad, beginnt im Anstieg die morgendliche Dämmerung- eine wahrlich besondere Stimmung. Nee was ist das schön. Nur nicht hetzen, wissen wir doch, wahrscheinlich werden wir, abgesehen von ein paar Verpflegungspausen, auch erst wieder in der Dämmerung (oder später) vom Rad steigen. Hoffentlich im Ziel. Hoffentlich ohne Stürze und Defekte.

Zur ersten Abfahrt ist es nun schon hell und somit weniger gefährlich und wir können im Eiltempo hinunter nach Badenweiler schießen. Am Kurhaus wurde wieder einiges an Verpflegung aufgefahren: Brote, Zopf, Obst, Nüsse, und die ersten Kuchen: z.B. Zwetschgenstreusel. So kann es weitergehen. Es herrscht beste Stimmung bei Sonnenaufgang. Da es heiß werden soll, füllt der Captain seine Zweitflasche an einem der Iso-fässer auf. (Oweeeh)

~7uhr15 und wir machen uns auf zum nächsten der zahlreichen Anstiege. Der Hochblauen. Bei gutem Wetter mit Ausblick bis zu den Vogesen und den Alpen.

Und auch die verbliebenen Asponaten (Frank, Gregor und der König) sind seit wenigen Minuten auf der Strecke (Start ~7Uhr). Jetzt sind alle unterwegs.

Wir springen zurück an die Spitze: Hinunter Richtung Kandern und hügelig weiter nach Lehnacker genießen wir Windschatten hinter einem Duo mit kräftigem und motiviertem Fahrer. Merci und Chapeau.  


Gemeindezentrum Tegernau

Wurde aber auch langsam Zeit. Der Kuchen-Blut-spiegle (mmol/dl= mass molecake (hist.); l= Volumen Beinmuskulatur (Liter); d= Diffussionskonstante. Nicht zu verwechseln mit dem Blutzuckerspiegel!) ist bedenklich niedrig, da der letzte Kuchen sicherlich schon in den Beinmuskeln verbrannt wurde. Und nun schlägt die Stunde für den Göffel. Ein Goodie der Veranstalter für jeden Teilnehmer, um Besteckmüll zu vermeiden. Und bei einigen immer noch in Benutzung!
Bratkartoffel mit Quark und Salaten ist hier das Hauptgericht. Und das um halb Zehn Uhr morgens. Und natürlich Brote, Käse und Kuchen, soweit die Augen über die Tische reichen. Freundliche Helfer überall.

Kurz nach Tegernau, keine Überraschung, der nächste Anstieg. Der Captain überschlägt im Kopf die verbleibende Strecke und Anstiege und ob sich das mit Gold ausgeht. Schwere Entscheidung, aber es hilft nichts. Das 2er Team muss sich wohl oder übel nun trennen. Fred beschließt weiter in seinem Tempo zu fahren und bei der nächsten Station auf den König zu warten und so gemeinsam Silber zu fahren. Die Silberfahrer lassen den Hohtann aus, die Bronzefahrer nehmen ihn erst nach der Station Utzenfeld in Angriff. Und somit vergeht nicht zu viel Zeit bis zum Wiedersehen in Utzenfeld. Aber was ist Fred eigentlich Gefahren? Mit oder ohne?


Über Pfaffenberg (die Bratkartoffeln an der Station im Wald des Männer Gesangvereins vorheriger Jahre sind noch am Gaumen präsent) bis nach Schönau geht es wellig oberhalb des Wiesentals entlang, tendenziell eher aufwärts.
Ausblicke wie aus einer Schwarzwald-touristen-broschüre inklusive. Der Captain schließt auf eine Gruppe Kölner auf. Früh gestartete Silberfahrer. Die Strecke ist noch von Franks Geburtstagsausfahrt frisch in Erinnerung und so kann er recht genau vor den tückischen Bodenwellen warnen- hatte der Veranstalter eine Nachricht geschickt, dass es genau dort zum Sturz mit Krankenwageneinsatz gekommen ist. An der Strecke warnt der Veranstalter, zusätzlich zu den Streckenmarkierungen, die ankommenden Fahrer mit eigenem Personal an der gefährlichen Stelle- vorbildlich!
Selbst Franks Trinkflasche hat just an dieser Bodenwelle (Entwässerungsrinne) bei der letzten Erkundungsfahrt entschieden, ihren eigenen Weg den Abhang hinunter zu nehmen… und war nicht mehr aufzufinden.

Kurz nach Schönau steht der nächste bekannte Pass an- der Hohtann. Letztes Jahr Schlussanstieg, heute steht er nicht mal auf halber Strecke auf dem Plan. Nicht überpacen. Aber trotzdem bleiben die Kölner im Anstieg zurück, sowie eine weitere Erinnerung an eine Zufallsbegegnung.

Utzenfeld. Marmeladenmanufaktur Faller. Gehört seit wenigen Jahren fest zum Programm. Und das zu Recht!
Verschiedenste Leckereien nebst Marmelade aus eigener Herstellung. Und die erste Schwarzwälder-Kirsch-Schnitte. Mmmmhhh. Auch die Ausstellungsbox des neuen Sponsors Orbea mit neustem Modell kann hier bestaunt werden.
Am Ende der Pause trifft Fred ein. Aber für den Captain geht es schon wieder weiter. Aber Dank Schwarzwälder Kirschtorte wird die Wartezeit für ihn hier sicherlich erträglich werden.
Wie eine zu lange nicht mehr geputzte Kette, der Magen läuft irgendwie nicht mehr ganz rund.


Zum Hochkopf wird ein weiterer 1000 m ü.M. Pass absolviert, um auf die westliche Seite des Wiesentals und weiter zur Wehraschlucht und auf die Hotzenwald-schleife zu gelangen. Alleine fährt man hier selten und immer wieder schließt man auf kleinere Gruppen auf oder wird von einzelnen überholt. Leider nimmt auch zur Mittagszeit der motorisierte Ausflugsverkehr zu. Kein Wunder bei bestem Sommerwetter.
Aber die herrlich lange Abfahrt durch die Wehraschlucht bis nach Wehr im Anschluss, ist, wie schon letztes Jahr, grandios. Abwechselnd and der Spitze geht es zu zweit hinunter. Und wie letztes Jahr steht leider der längste Anstieg des Tages in der Mittagshitze an. Vorsorglich nochmal die Wasserflasche an einem tröpfelnden Brunnen auffüllen. Das kann ein Nachbar nicht mit ansehen und bittet in seinen Garten. Hier schießt das Wasser mit Druck und kühl aus seiner Leitung. Herrlich. Das ist Gastfreundschaft. Mit Dank und besten Grüßen geht es weiter.

Hier verteilt sich das Feld der Fahrer merklich und nur noch wenige Fahrer finden zusammen. Man ist froh für jedes Hinterrad oder moralische Unterstützung, wenn selbst an der Spitze, bei einer Hitze über 30 °C. Durchhalten bis zur Skihütte in Herrischried mit seinen kühlen Innenräumen.

Zwischenzeitlich ein Bild -15uh15. Gregor und Frank haben am letzten Anstieg (Hohtann) noch einen Abstecher zum Belchen gemacht. Bravo. Bronze Plus sozusagen. Ein Eis für die 300 extra Höhenmeter sei ihnen gegönnt.

Skihütte. Kulinarisch fehlt es wiederum an Nichts. Nur kann der Captain gar nicht so viel essen, wie er möchte oder nötig ist. Aber Kuchen muss sein. So langsam dämmert es ihm, dass wahrscheinlich das unbekannte Isogetränk der Fehler war. Die Reste in der Flasche werden entsorgt und mit eigenem Pulver aufgefüllt. Aber da ist das Kind schon in den Brunnen gefallen.


Der nächste Abschnitt wartet mit keinen großen Pässen oder steilen Rampen auf, aber flach ist anders und die vorherigen Höhenmeter machen sich langsam bemerkbar. Der Magen tut sein Übriges. Froh über ein Hinterrad, an Tempoarbeit ist nicht zu denken. So wie es sich gehört, wird sich anerkennend für die geleistete Arbeit an der Poleposition bedankt.
Leider wird auch klar, dass ein Treffen in Ibach mit den Silberfahrern (Fred und dem König) nicht realisierbar ist. Die Schleife durch den Hotzenwald war doch zu lang. Dafür sieht man das ein oder andere vom Tag über bekannte Gesicht. Viel bekommt der Captain in Ibach nicht runter. Etwas Flädlesuppe. Fast beschämt muss er den Kuchen der Landfrauen Ibach ausschlagen. Der sonst so leckere Käse legt beinahe den Rückwärtsgang ein.
Aber es hilft nix, es muss weitergehen.  

Landfrauen Ibach Kuchenplatten. König und Fred


Der malerische Anstieg im engen Tal der Alb sowie des Ibenbachs, dieses Jahr geht es etwas gemächlicher hoch. Zu viel Pace und der Magen rebelliert. Trotzdem findet sich ein Mitstreiter mit gleichem Tempo älteren Semesters. Im Gepäck: Zahlreiche Anekdoten seiner früheren Fahrten. Herrlich. Irgendwann endet der gemeinsame Abschnitt, und weitere Geschichten muss der Captain, wie den Mitfahrer, hinter sich lassen. Jeder muss nun in seiner Pace am besten durchkommen. Und irgendwann ist auch der nächste Gipfel „Schorrmättle“ geschafft. Durch St.Blasien hindurch und an seinem imposanten Dom vorbei. Die Stelle mit dem Defekt von letztem Jahr passiert das Trek unbeeindruckt. Fingers crossed, dass es so bleibt.
Weiter treten, Pace und Magen im Gleichgewicht halten. Alle verbleibenden Anstiege sind nun wieder bestens bekannt- ob das so gut ist, sei dahingestellt. Die Anstrengungen verlangen Konzentration auf das Wesentliche- die Bilder werden rarer.

Das Hinterrad im flacheren Abschnitt ist leider zu schnell und erst am Anstieg „Äumeler Kreuz“, rüber zum Schluchsee, wird es ein- und überraschenderweise überholt.
Ab jetzt wird nur noch in kürzer werdenden Etappen gedacht. Schluchsee-Windgfällweiher-Altglashütten- Bärental- kurzer Anstieg nach Hinterzarten- hinauf zur letzten Verpflegung Ospelehof- irgendwie.

Dort, hoch oben auf ca. 900 Metern gelegen, ist trotzdem der Tiefpunkt erreicht. Essen geht nicht. Nur trinken. Der Captain liegt im Gras und fragt sich wie einst Jan Ulrich in seiner Doku, in der jener zahlreiche Pässe der Tour de France nochmal abgefahren ist: „Nee, nee. Was tue ich mir da an auf meine alten Tage.“ 20uhr und das Tageslicht schwindet zusehends.

Bei der ersten Silbertour 2019 führte die Strecke ebenfalls hier entlang und der Captain fragte sich damals schon, wie er die 2 letzten Anstiege, Rinken und vor allem Oberried schaffen sollte. Nie klang aufgeben verführerischer…
Nix. Damals ging es, also fertig machen, rauf aufs Rad- treten, treten, treten. Der Rinken soll nicht zum Schicksalsberg werden und das Kettenblatt nicht zum Ring, ihn zu knechten…

Am Rinkenpass angekommen –

Fred und der König sind einen Berg voraus und haben die letzten Lichtstrahlen am letzten Pass kurz vor 21Uhr auf dem Schauinsland erhascht. Auch hier besondere Obacht bei der Storenabfahrt. Eine halbe Stunde später sind sie wieder im Ziel im Münstertal. Chapeau!


– wird es langsam dunkel und frisch. Wieder Zeit für die Lampe. Aber in der Abfahrt wird es kalt. Nur eine Windweste, mehr war nicht im Gepäck. Waren heute nicht mal über 30°C?? Steil und kurvig- Konzentration ist gefragt. Der schlechte Belag im unteren flachen Bereich ist bekannt, schön ist anders. Falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte, es ist kalt in der Abfahrt. Kein Wunder, gibt es hier auch die Zastler Eislöcher, eine besonder Naturerscheinung.
Und dann droht der letzte Anstieg des Tages, Oberried/Schauinsland: Nicht gerade kurz, dazu 14% Abschnitte. Immerhin begegnet man wieder weiteren Mitstreitern, zumindest das, was im Lichtkegel der Frontlampe von diesen zu erkennen ist. Locker sieht es bei keinem mehr aus.
Der Magen hat sich überraschenderweise wieder beruhigt, aber die reduzierte Verpflegung war nicht die beste Versorgung. Zeit, Kurven, Rampen- gefühlt eine Ewigkeit. „Wie lange bin ich schon im Anstieg?“ Das Gehirn ist nun das Letzte, was noch versorgt wird. Ausgang Oberried, die 14% wurden irgendwie im Trance-modus bewältigt. Die letzten Höhenmeter im Anstieg und der volle Mond erhellt die Landschaft. Was für ein Bild. Aber um das Handy aus der Trikotasche zu holen reicht es nicht mehr und wenn ich anhalte, so die Befürchtung, ist Schicht im Schach.
20min nach 22Uhr, es ist geschafft. Oben auf dem Schauinsland. Eine 4er Gruppe Karlsruher Radler scherzt, dass das doch eigentlich nicht so schlimm war und man noch weiterfahren möchte. Vielleicht höre ich auch nur die Ironie in ihren Stimmen nicht mehr heraus.

Egal. Nur noch bergab. Windweste schließen. Letzte Abfahrt.
Wer dachte am Rinken sei es kalt gewesen… falsch gedacht. Gefühlt war es nicht einmal im Training im Winter bei minus 2-3 Grad und gefrorenem Trinkflascheninhalt so kalt. Unkontrolliert zitternd und das bei steiler, kurvig und enger Strecke. Grenzwertig. Ab und an muss selbst im Münstertal abgebremst werden, damit der kalte Fahrtwind weniger wird. Aber bald ist offizieller Zielschluss, obwohl noch Fahrer hinter mir sind. Anhalten und aufwärmen ist nicht mehr. Gottseidank wurde noch geistesgegenwärtig eine Fleecejacke aus dem Bus ans Ziel geordert.

Und dann, Helfer tauchen am Straßenrand auf und weisen die letzte Abzweigung von der Hauptstraße zur Belchenhalle aus. Jede Zieleinfahrt wird mit Applaus von den Anwesenden bedacht. Nur Bekloppte, die sicherlich selbst schon einmal die Strecke gefahren sind und nachvollziehen können, was die Radelnden hinter sich haben. Hier sind alle, die ankommen Sieger, unabhängig von der gewählten Strecke.

10min vor 23Uhr ist es vollbracht, Gold. „Er ist nicht mehr zurechnungsfähig und kann nicht antworten. Er faselt und macht komische Sachen“. Die Erinnerung ist beim Captain im Ziel etwas verschwommen. War das kalt und der Körper zittert weiter vor sich hin.  Aber zumindest konnte er für Belustigung beim Finisher-Foto sorgen. Einfach manisch/magisch. Zum Glück stand die Königliche Kutsche mit Spezi bereit und auch der König war schon wieder erholt um zu fahren. Und nach Zucker und warmer Umgebung fand der Captain bald wieder zur Zurechnungsfähigkeit zurück.

Also nächstes Jahr wieder, oder?